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Wer ist die Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung und Vermögenssorge ?

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„Nichts auf der Welt ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“
(Victor Hugo)

 

Am 13. März 1997 war die Zeit gekommen. Eine Gruppe von Personen, denen die Idee der Testamentsvollstreckung (s.u.) am Herzen lag, fand sich zusammen, um die Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung und Vermögenssorge e.V. (kurz AGT e.V.) zu gründen, eine ‘berufsständische und wissenschaftliche Vereinigung zur Vertretung der gemeinsamen fachlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Belange der Testamentsvollstrecker’.

Mittlerweile ist die AGT e.V. fast 300 Mitglieder stark und kann bald 600 von ihr zertifizierte Testamentsvollstrecker verbuchen.

Die AGT e.V.

Die AGT ist eine private Institution in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins (e.V.). Sie ist ein Zusammenschluss natürlicher und juristischer Personen, die das Amt des Testamentsvollstreckers ausüben oder sich berufsbedingt häufig mit Fragen der Testamenstvollstreckung und Vermögenssorge beschäftigen. Sie ist die einzige interdisziplinäre Vereinigung von Vertretern der rechts- und wirtschaftsberatenden Berufe sowie von Privatpersonen mit besonderen Erfahrungen und Interessen auf dem Gebiet der Testamentsvollstreckung in Deutschland.

Zur Satzung der AGT

Bestehen der AGT seit 1997

Von der verbotenen Tätigkeit für Banken und Steuerberater zum modernen Dienstleistungs­angebot, so könnte man die jüngere Geschichte der geschäftsmäßigen Testamentsvoll­streckung kurz gefasst umschreiben.

20 Jahre ist es her, als einige ambitionierte Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und Banker auf Initiative eines Volkswirtes, des späteren und leider viel zu früh verstorbenen Generalssekretärs der AGT, Herrn Dr. Wolfgang Deuker, in Bonn zusammentrafen. Sie alle waren von der Idee getragen, dass eine professionelle Nachlassverwaltung, wie sie beispielsweise in den USA möglich ist, auch in Deutschland sinnvoll erscheint. In einer Zeit immer werthaltigerer Nachlässe und immer komplexerer Familienstrukturen führen Fehler bei der Gestaltungsplanung und Streit bei der Nachlassabwicklung zu enormen wirtschaftlichen Schäden.

Von der Idee bis zur Gründung der AGT als berufsständischer Interessenvertretung aller an der geschäftsmäßigen Testamentsvollstreckung interessierten Berufsgruppen vergingen nur wenige Wochen.

Die Rechtslage in jener Zeit war für den geschäftsmäßigen Testamentsvollstrecker eindeutig: er musste Rechtsanwalt sein. Die Bedürfnisse der Praxis waren aber schon damals andere. Die künftigen Erblasser suchen eine Vertrauensperson, und diese können dann ebenso gut Banker, Steuerberater oder einer anderen vermögensverwaltenden Berufsgruppe zugehörig sein.

Eine der ersten Aufgaben der AGT bestand daher darin, mit dem sog. „Bonner Modell der AGT“ eine Möglichkeit zu entwickeln, die bestehenden rechtlichen Restriktionen mit den praktischen Bedürfnissen der Erblasser in Einklang zu bringen.
Auf der Herbsttagung der AGT im Jahr 2001 wurde das Bonner Modell der Kooperations­vollstreckung zwischen Rechtsanwälten und geschäftsmäßigen Testamentsvollstreckern anderer Professionen vorgestellt. Mit diesem Modell nahm die AGT eine Rechtsentwicklung vorweg, die der Bundesgerichtshof in Zivilsachen drei Jahre später bestätigte: der geschäftsmäßige Testamentsvollstrecker muss nicht Rechtsanwalt sein, wenn im Rahmen der Testamentsvollstreckung rechtliche Probleme auftreten, muss er einen Rechtskundigen hinzuziehen.

Nahezu zeitgleich stellte der Gesetzgeber die geschäftsmäßige Testaments­vollstreckung vor neue Herausforderungen. Erklärtes Ziel des im September 2004 vorgelegten Referenten­entwurfes für ein Rechtsdienstleistungsgesetz war es, den Markt der professionellen Testamentsvollstreckung jedermann zugänglich zu machen, unabhängig von einer Ausbildung, unabhängig von praktischen Erfahrungen und unabhängig vom Bestehen einer Versicherung für den Fall von Vermögensschäden. Der Gesetzgeber will es dem freien Spiel der Kräfte überlassen, welcher Testamentsvollstrecker sich auf dem Markt durchsetzt. Grundsätzlich ist diese Idee sicher begrüßenswert und entspricht dem allgemeinen gesellschaftlichen Verständnis. Bei der Testamentsvollstreckung versagt sie jedoch. Der Markt schafft keine Moral und keine Werte, wie Altkanzler Helmut Schmidt anlässlich einer Laudatio auf Berthold Beitz sagte, der zu Deutschlands segensreichsten Testaments­vollstreckern gehört. Der Erblasser will aber gerade konkrete Moral- und Wertvorstellungen durchsetzen, wenn er eine Testamentsvollstreckung anordnet. Und er hat, so bitter es auch klingt, keine zweite Chance, wenn sein Testamentsvollstrecker versagt.

Die Einwände stießen auf taube Ohren. Mit dem am 01.07.08 in Kraft getretenen Rechtsdienstleistungsgesetz (s.o.) hat der Gesetzgeber die geschäftsmäßige Testamentsvollstreckung ohne Ausbildung, Versicherung und praktische Erfahrung ermöglicht. Die AGT reagierte im Vorgriff auf dieses Gesetz mit ihren im Frühjahr 2006 verabschiedeten Richtlinien für die Zertifizierung von Testaments­vollstreckern. Diese Richtlinien setzten Mindest­standards in Ausbildung, Versicherung, Erfahrung und Fortbildung geschäftsmäßig agierender Testamentsvollstrecker.
In der Folge lösten sie eine Qualitätsoffensive bei den Testamentsvollstreckern aus. Am 15.09.2006 konnte den ersten Rechtsanwälten und Steuerberatern die Bezeichnung „Zertifizierter Testamentsvollstrecker (AGT)“ verliehen werden. Seither ist ihre Zahl kontinuierlich gewachsen. Auch Kreditinstitute haben das Zertifizierungsangebot angenommen. Erstmalig standen sich damit Angehörige verschiedener Berufsgruppen auf dem Gebiet der Testamentsvollstreckung auf Augenhöhe gegenüber. Veröffentlicht werden die ‘Zertifizierten Testamentsvollstrecker’ in der von AGT geführten Testamentsvollstreckerliste unter http://testamentsvollstreckerliste.de/.
(Lesen Sie dazu auch das BGH-Urteil)

Diese Qualitätsoffensive der geschäftsmäßigen Testamentsvollstrecker wurde in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen.  Der Westdeutsche Rundfunk  berichtete bereits von einem sich entwickelten „Berufsbild Testamentsvollstrecker“ (009 WDR Berufsbild TV). Gleichwohl steht die geschäftsmäßige Testamentsvollstreckung erst am Anfang einer Entwicklung hin zu dem, was sie – richtig gestaltet und umgesetzt – als Rechtsinstitut so wichtig macht: einem modernen Mittel der Vermögensnachfolgegestaltung bei der Gestaltung von Unternehmensnachfolgen, anspruchsvollen Aufgaben des Estate Planning sowie bei schwierigeren privaten Vermögensverhältnissen.

Lesen Sie zu der Wandlung des Testamentvollstreckers auch den Bericht von RA Rott, Vorstandsvorsitzender der AGT: Rott aus_stbg_09_07-2