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Die Zertifizierung von Testamentsvollsteckern durch die AGT

Warum zertifiziert die AGT Testamentsvollstrecker?
Voraussetzungen für die Zertifizierung durch die AGT
Schritte zur Zertifizierung

Warum zertifiziert die AGT Testamentsvollstrecker?

Die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in Zivilsachen vom 11.11.04 (I ZR 213/01 sowie I ZR 182/02) stellen klar, dass die Übernahme von Testamentsvollstreckungen nach geltendem Recht nicht an besondere Qualifikationsvoraussetzungen in der Person des Testamentsvollstreckers geknüpft ist. Auch eine Versicherung gegen Schäden, die der Testamentsvollstrecker an dem von ihm verwalteten Vermögen anrichten könnte, wird nicht für erforderlich gehalten. Sind im Rahmen der Testamentsvollstreckung Rechtsfragen zu klären, muss der unwissende Testamentsvollstrecker Rechtsrat einholen. Mit den hierfür anfallenden Kosten wird der Nachlass – grundsätzlich zusätzlich zum Testamentsvollstreckerhonorar - belastet.

KuchendiagrammAktuellMit dem am 01.07.08 in Kraft getretenen Rechtsdienstleistungsgesetz hat der Gesetzgeber die geschäftsmäßige Testamentsvollstreckung ausdrücklich aus dem Anwaltsvorbehalt ausgenommen, die Testamentsvollstreckung durch jedermann explizit ermöglicht und es damit dem freien Wettbewerb überlassen, ungeeignete Testamentsvollstrecker auszusondern.

“Der Markt kann aber keine Moral und Werte erschaffen…”, wie Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt es in seiner Rede zum 90. Geburtstag von Bertolt Beitz, der als einer der bemerkenswertesten deutschen Testamentsvollstrecker gilt, formuliert hat (Die Zeit 14/2003).

Damit der Testierende nicht schutzlos unkontrollierbaren Selbstanpreisungen der verschiedensten Anbieter von Testamentsvollstreckungen ausgeliefert ist, hat die AGT e.V. am 10.03.06 Richtlinien zur Zertifizierungen von Testamentsvollstreckern verfasst und veröffentlicht (AGT-Zertifizierungsrichtlinien).

Die AGT weist aktuell mehr als 500 von ihr zertifizierte Testamentsvollstrecker in einer im Internet veröffentlichten Liste, der AGT-Testamentsvollstreckerliste nach. Diese Testamentsvollstrecker haben sich einem den Zertifizierungsrichtlinien entsprechenden Prüfungsverfahren unterworfen und erfüllen somit die Qualifizierungsanforderungen der AGT.

Denn: Der Erfolg einer Testamentsvollstreckung steht und fällt mit der Person und Qualifikation des Testamentsvollstreckers.

Voraussetzungen für die Zertifizierung durch die AGT

  • Nachweis der theoretischen Kenntnisse auf dem Gebiet der Testamentsvollstreckung gem. §2 der RiLi.
    Von der AGT geprüfte renommierte Fortbildungsinstitute führen die Zertifizierungslehrgänge durch. Aktuell von der AGT anerkannter Lehrgangsanbieter: Fachseminare von Fürstenberg
  • Nachweis der praktischen Fertigkeiten gem. §3 der RiLi.
    D.h. Nachweis über eine mindestens zwei Jahre lang ausgeübte Tätigkeit als Rechtsanwalt, Justitiar, Richter, Notar, Rechtsbeistand, der Mitglied einer Rechtsanwaltskammer ist, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, vereidigter Buchprüfer oder certified estate planner (cep) oder, falls diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, drei bereits erfolgreich durchgeführte Testamentsvollstreckungen.  Zur Erlangung des Zertifikates werden von der AGT keine darüber hinaus gehenden weiteren Nachweise einer praktischen Tätigkeit gefordert.
    In dem BGH-Urteil zur Zertifizierungsentscheidung vom 09.06.2011 [I ZR 113/10]  wird zur Führung der Bezeichnung „zertifizierter“ Testamentsvollstrecker (AGT) im Rechtsverkehr durch einen Rechtsanwalt gefordert, dass er über praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der Testamentsvollstreckung verfügt. Wie diese im Einzelfall beschaffen sein müssen, lässt der Wettbewerbssenat des BGH weitgehend offen. Siehe hierzu die Stellungnahme zu dem Urteil von RA Eberhard Rott, Vorstandsvorsitzender der AGT e.V. (Kommentar RA Rott).

    Die AGT hat die Entscheidungsgründe des BGH sorgfältig analysiert. Unter Einbeziehung einer Folgeentscheidung des Wettbewerbssenates des BGH aus dem Jahr 2014 zu der Frage, wann sich ein Rechtsanwalt als Spezialist auf einem Rechtsgebiet bezeichnen darf, für das auch eine Fachanwaltsbezeichnung erlangt werden kann (BGH, Urt. v. 24.07.2014, I ZR 53/13), ergibt sich danach folgendes:
    > ohne eine einzige Testamentsvollstreckung kann die Bezeichnung „zertifizierter“ Testamentsvollstrecker im Rechtsverkehr nicht geführt werden,
    > grundsätzlich sollten drei Testamentsvollstreckungen oder mindestens eine Testamentsvollstreckung sowie mindestens zwei weitere vergleichbare Tätigkeiten wie Nachlassverwaltung, Nachlasspflegschaft oder Nachlassabwicklung nachweisbar sein,
    > die Fallzahl kann im Einzelfall unterschritten werden, wenn Schwierigkeit und Aufwand eine abweichende Beurteilung erlauben,
    > die Verantwortung für die Führung der Bezeichnung obliegt demjenigen, der sie im Rechtsverkehr führt, selbst (vgl. BGH, Urt. v. 24.07.2014, I ZR 53/13, juris-Rn. 27, zum Nachweis der Erfüllung der Anforderungen an einen „Spezialisten“ auf dem Gebiet des Familienrechts)
    > wer im Rechtsverkehr die Bezeichnung ohne den Zusatz „zertifiziert“ führt, bspw. in der Form „Testamentsvollstrecker (AGT)“, unterliegt nicht den vom BGH aufgestellten Anforderungen.

  • Unterhaltung einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung gem. §4 der RiLi. zur Abdeckung des Risikos von Pflichtverletzungen aus Testamentsvollstreckungen.
  • Fortbildungsverpflichtung (Rezertifizierung) gem. §5 der RiLi. zur Erhaltung der Sachkunde, insbesondere vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und rechtlicher Entwicklungen.

Schritte zur Zertifizierung

  1. Erhalt des Lehrgangszertifikats zum „Zertifizierten Testamentsvollstrecker (AGT)“ durch die Fachseminare von Fürstenberg.
  2. Einreichung des Erstantrags auf Verleihung der Bezeichnung „[Zertifizierter] Testamentsvollstrecker (AGT)“ bei der Geschäftsstelle der AGT, unter Berücksichtigung der im Zertifizierungsantrag angefragten Nachweise der theoretischen Kenntnisse (AGT I-AGT III) und praktischen Fertigkeiten (s.o.) sowie der Unterhaltung einer Vermögenshaftpflichtversicherung und der Entrichtung einer Zertifizierungsgebühr in Höhe von 350,00 EUR.
  3. Prüfung des Antrags gemäß den Zertifizierungsrichtlinien der AGT durch den Vorstand der AGT.
  4. Verleihung der Bezeichnung „Zertifizierter Testamentsvollstrecker (AGT)“ in Form einer Urkunde (Zertifikat) sowie Aufnahme des Zertifizierten in die Testamentsvollstreckerliste der AGT.

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Zertifizierte Testamentsvollstrecker/innen (AGT) haben die Möglichkeit, den personalisierten AGT-Flyer mit den persönlichen Kontaktdaten über die Druckerei der AGT zu erwerben.
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die AGT-Geschäftsstelle unter info@agt-ev.de.

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